Kontakt

Privatinsolvenzen steigen 2025 auf knapp 108.000 Fälle – besonders junge und ältere Menschen stark betroffen

Die finanzielle Belastung vieler Haushalte in Deutschland nimmt weiter zu – mit spürbaren Folgen: Privatinsolvenzen erreichen 2025 ein neues Hoch. Die aktuelle CRIF Analyse zeigt zentrale Ursachen, betroffene Altersgruppen und deutliche regionale Unterschiede.

Privatinsolvenzen erreichen 2025 ein neues Hoch

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 107.816 Privatinsolvenzen registriert. Das entspricht einem deutlichen Anstieg von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2024: 99.991 Fälle). Dies sind die zentralen Ergebnisse aus dem aktuellen „Schuldenbarometer 2025“ des Informationsdienstleisters CRIF.

Der aktuelle Anstieg auf knapp 108.000 Privatinsolvenzen im Jahr 2025 stellt den höchsten regulären Wert der vergangenen 10 Jahre dar. Zwar lag die Zahl der Privatinsolvenzen im Jahr 2021 (109.032) noch höher, doch dieses außergewöhnliche Niveau war kein Ausdruck der damaligen wirtschaftlichen Lage, sondern das Ergebnis eines einmaligen Sondereffekts.

Viele betroffene Privatpersonen hatten im Jahr 2020 ihre Insolvenzanträge bewusst zurückgehalten, um von der zum 1. Januar 2021 in Kraft getretenen Gesetzesreform zur Verkürzung der Restschuldbefreiung zu profitieren. Die Dauer des Verfahrens reduzierte sich damals von sechs auf drei Jahre, weshalb zahlreiche Anträge gebündelt erst 2021 gestellt wurden.

Steigende Lebenshaltungskosten erhöhen den finanziellen Druck

„Das Jahr 2025 war für die deutsche Wirtschaft und für die Verbraucher von erheblichen Belastungen geprägt. Vor allem weiterhin hohe Energie- und Lebensmittelpreise haben die Lebenshaltungskosten spürbar erhöht. Die finanzielle Situation vieler Privatpersonen bleibt dadurch anhaltend angespannt“, betont Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer von CRIF Deutschland.

Die Kombination aus ansteigenden Kosten, begrenzten Einkommen und zunehmendem finanziellen Druck führt dazu, dass immer mehr Haushalte ihre Rücklagen aufzehren und laufende Verpflichtungen wie Mieten, Kredit- oder Ratenzahlungen nicht mehr verlässlich erfüllen können.

„Wir beobachten, dass Faktoren wie ein umfangreicher Niedriglohnsektor, befristete oder unsichere Beschäftigungsverhältnisse und Arbeitslosigkeit das Risiko von Privatinsolvenzen zusätzlich verschärfen.“, erklärt Dr. Schlein.

„Trotz einer grundsätzlich höheren Sparbereitschaft reichen die Rücklagen in vielen Haushalten nicht mehr aus, um die steigenden Kosten aufzufangen“, so Dr. Schlein weiter.

Ausblick und zentrale Ursachen für Privatinsolvenzen

Für das Jahr 2026 geht CRIF in Deutschland von weiter hohen Privatinsolvenzen aus. „Aktuell rechnen wir mit 110.000 Fällen“, so Dr. Schlein.

Die Hauptursachen für Privatinsolvenzen bleiben unverändert. Dazu zählen Arbeitslosigkeit oder geringes Einkommen, gescheiterte Selbstständigkeit, familiäre Veränderungen wie Trennung oder Scheidung, gesundheitliche Probleme sowie ein nicht zum Einkommen passendes Konsumverhalten. Die durchschnittliche Schuldenhöhe liegt derzeit bei rund 15.000 Euro.

Stärkste Anstiege bei jungen Erwachsenen und Senioren

Die stärksten prozentualen Anstiege im Jahr 2025 entfallen auf sehr junge Erwachsene und ältere Menschen.

Bei den 18‑ bis 20‑Jährigen stiegen die Privatinsolvenzen um 52,6 Prozent, bei den 21‑ bis 30‑Jährigen um 28,6 Prozent.

Hier spielen vor allem eine geringere finanzielle Widerstandskraft, spontane Ratenkäufe, die steigende Nutzung von „Buy now, pay later“-Modellen und fehlende Rücklagen eine wesentliche Rolle.

Auch in der Altersgruppe ab 61 Jahren zeigt sich ein signifikanter Zuwachs von 10,6 Prozent. Laut CRIF sind hierfür vor allem steigende Miet- und Energiekosten, stagnierende oder sinkende Renten sowie der Wegfall eines Partners ausschlaggebend.

„Die Armutsgefährdungsquote älterer Menschen liegt seit Jahren über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung – ein Trend, der die wirtschaftliche Instabilität dieser Gruppe weiter verstärkt. Ältere Haushalte kommen zunehmend an ihre finanziellen Belastungsgrenzen“, fasst Dr. Frank Schlein zusammen.

Regionale Unterschiede bei Privatinsolvenzen

Die regionalen Unterschiede bleiben auch 2025 deutlich erkennbar. Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Zahl der Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner in Deutschland bei 127.

Besonders die nördlichen Bundesländer weisen weiterhin hohe Werte auf: Bremen (201), Hamburg (177) und Niedersachsen (172).

Deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegen zudem Schleswig-Holstein (164), das Saarland (161), Sachsen-Anhalt (143) sowie Nordrhein‑Westfalen (142). Am wenigsten Privatinsolvenzen je Einwohner verzeichnen Bayern und Thüringen mit jeweils 86.

Nordrhein‑Westfalen weist 2025 mit 25.864 Privatinsolvenzen die höchste Fallzahl auf (2024: 24.654), gefolgt von Niedersachsen (14.024; 2024: 12.970) und Bayern (11.579; 2024: 10.592).

Den stärksten Anstieg verzeichnet das Saarland mit plus 21,8 Prozent, gefolgt von Baden‑Württemberg (17,0 Prozent), Sachsen (14,4 Prozent), Hessen (13,3 Prozent) sowie Rheinland‑Pfalz (10,9 Prozent).

Rückgänge gab es dagegen in Thüringen (minus 5,0 Prozent), in Mecklenburg‑Vorpommern (minus 3,4 Prozent), in Bremen (minus 3,3 Prozent) sowie in Berlin (minus 2,0 Prozent).

Sie haben Fragen zur Pressemeldung? Schreiben Sie uns eine Mail an presse.de@crif.com